Der Talisman
Eine Episode, die mir passiert ist. Ich ging auf dem Bürgersteig, irgendwo in Berlin. In Kreuzberg, in Neukölln? Wahrscheinlich Neukölln. In einer Straße, wo ich gewöhnlicherweise nicht gehe.
Drei junge Männer gingen voran, offensichtlich mit ´Einwandererhintergrund´, aber sie sprachen unter sich Deutsch. Sie guckten immer unruhig umher, als ob sie etwas fürchteten. Sie guckten auch mehrmals zurück, zu mir, die so dicht hinter ihnen ging, ansonsten war diese Straße leer. Als könnte ich ein Spion sein, ein Späher, ein Feind, der sie gleich bei etwas ertappen wollte.
Dann blieben sie zurück, neben mir. Ein junger Mann holte etwas aus seiner Hosentasche. In seiner Hand lag ein winziges Schmuckstück, mit einer Öse zum Aufhängen. Er gab es mir.
„Verwahre es wohl,“ sagte er. Ich versprach, und verwahrte es in meiner Jackentasche. Die drei gingen weiter, ohne sich mehr unruhig umzugucken. Ich hinterher, zufälligerweise wollte ich in die selbe Richtung, zu einer U-Bahn, das ganz fern war. Dann waren sie verschwunden, der Bürgersteig leer. Puff!
Heute fand ich in dieser orangenen Jacke, die ich lange nicht trug, es war ja so heiß, dies winziges Ding wieder. Beinahe wie ein Anch-zeichen, mit ´diamanten´, wie es Kinder in Glückstüten finden können.
Ich habe es in meinem linken Ohr aufgehängt, mit meinen silbernen Rosen, die ich ofters trage als Ohrschmuck. Mit diesem Talisman kann mir nichts schlechtes passieren, irgendwo auf der Welt.
Aber, warum, warum? Wie das meiste im Leben, ein Rätsel.
Die Dänin
23. Juli 2010
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